KLOPSTOCK 2000

 

B I B L I O G R A P H I E 

 

1.)

Der halbierte Dichter?

"Hohe Poesie" und profane Welt
Wandlungen einer literarischen Konzeption bei Friedrich Gottlieb Klopstock
Frankfurt 2010 256 Seiten

Thematische Inhaltsübersicht s. Verlagsprospekt hier


Inhaltsangabe:

EINLEITUNG
Klopstock und sein problematisches Nachleben, ein rezeptionsgeschichtliches Kuriosum:
- Lessings rhetorischer Affront
- Verschmähtes Dichter-Ich oder "Rückkehr des Autors"?

HAUPTTEIL

Spirituelle Phase

1     Herkunft: Faktizität und Effiziens

2     Schüler, "studiosus theologiae", Dichter
2.1  Ein heldenhaftes Epos – "Der Messias"
2.2  Freundschaft – Liebe – Gott
       "Auf meine Freunde" – "An Daphnen" – "An Gott"

3    Welt und "Hohe Poesie"
3.1  Ein mäzenatisches Jahrhundert?
3.2  Poetische Topik: "Von der Fahrt auf der Zürcher See"

4     Dänemark
4.1  "Kopenhagener Widmungspoesien": Friedrich V.
4.2  Spirituelle Transformation
       Freie Rhythmen – Geistliche Lieder – Religiöse Trauerspiele
4.3  Dänischer Ausgang

Pragmatische Phase

5.1  Der Kult der Barden
      "Der Hügel und der Hain", Bardiete für die Schaubühne
5.2  Oden 1771: "Tiraden der Phantasie" und "kunstvolle Abhandlungen
       unodenmäßiger Gegenstände" (Herder)

5.3  Der "Wiener Plan" und "Die deutsche Gelehrtenrepublik"
       (Codierung – Encodierung) – Die "Heilige Cohorte" .
5.4  "An Freund und Feind" (Ode 1781)

6     Die Großen der Welt und ein Dichter "bey Hofe"?

7     Immanenz des Pragmatischen
7.1  Pensionen
7.2  Das "unehrenhafte" Honorar
7.3  Die Entkommerzialisierung des Buchhandels
       Subskriptionen: "Die deutsche Gelehrtenrepublik" – "Der Messias"

8     Französische Revolution und Revolutionsoden

9     "Vaterland" und "Civismus" – Klopstock – ein Kosmopolit?

RESÜMEE

LITERATURVERZEICHNIS


2.a)

K L O P S T O C K
Die "Sprache des Herzens" neu entdeckt
Die Befreiung des Lesers aus seiner emotionalen Unmündigkeit
Idee und Wirklichkeit dichterischer Existenz um 1750
Frankfurt am Main 1998. 649 S., 28 Abb.

Die Untersuchung geht davon aus, dass die Vorstellung von Klopstock als dem "seraphischen Sänger" revisionsbedürftig ist. Es soll versucht werden, Aspekte eines komplexeren Bildes des jungen Klopstock zu entwickeln.

Der Absolutheitsanspruch des Dichters und seines Werkes erfordert eine ganzheitliche Erörterung seiner künstlerischen und realen Existenz. Das gilt besonders für den Kampf des mittellosen Autors um materielle Unterstützung, um die Wahrung seiner Freiheit und Authentizität als Pensionär eines königlichen Mäzens. An verschiedenen Texten wird gezeigt, wie eindringlich und zugleich befreiend Klopstocks Sprachkunst auf die Menschen seiner Zeit gewirkt hat und wie sich daraus eine neue Auffassung vom Beruf des Dichters und vom Wesen seines Publikums entwickelt hat.

I n h a l t s v e r z e i c h n i s (Auszug)

Einleitung: Schwierigkeiten mit Klopstock

Kap.1. Herkunft 1.Literaturgeschichtliches. 2.Quedlinburg. 3.Familie, Gesellschaft, Kleinstaaterei....

Kap.2. "Berufung".... 2.Literaturtheorie im Interesse des Lesers... 3.Konzeption des Messias...3.2.2. Die Stunden der Weihe (Ode 1748). 3.2.2.1. Als der Dichter den Messias zu singen unternahm. 3.2.2.2. Daher sind uns jene Lesarten lange Zeit die liebsten geblieben. (Goethe). 3.2.2.3. "Denkmalpflege": -...eine etwas zu stolze Ode (Klopstock).
3.2.4. Declamatio in "geschlossener Gesellschaft": ... durch ein großes unvergängliches Werk müssen wir zeigen, was wir können! (Klopstock, Pfortaer Abschiedsrede 1745.

Kap.3. Die "unbürgerliche Existenz" 1.Meine Eltern haben Vermögen gehabt. (Klopstock)... 3.4.Bremer Beiträger - Messias - Freundschaft... 3.5.Pietismus - Verweltlichung - Empfindsamkeit: Klopstock ein Pietist? 3.6.Auf meine Freunde (Odenzyklus 1747): Im Gleichklang der Seelen: - Komm, goldne Zeit, komm. (Klopstock). 3.7.Verhängnisse (Ode 1747). 4.Langensalza: 4.1. ...verurtheilt, ein manicipium domesticum zu seyn. (J.J.Bodmer). 4.2.Maria Sophia Schmidt, gen. Fanny. 4.2.1. An Fanny: Wenn ich einst tot bin (Ode 1748)... 4.2.3.Späte "Fanny-Lesarten". 5.Ich habe Ihnen versprochen, Ihnen etwas von den Schmerzen meiner Liebe zu sagen. (Klopstock).5.1.Seraph und Eros: der "andere" Klopstock...5.1.2.Ein tibullisches Lied (Elegie 1748), ein Liebeslied und die Ode an Gott (1748) – eine ode amoureuse? 5.1.3.Auf der bezauberten Insul ... Das Herz ganz zu rühren ...(Klopstock). Exkurs: Er gab uns ein Fragment: Abadonna, den redlichsten Teufel, den die Hölle je sah. (J.C.Hirzel). 5.1.4.Lazarus – Semida – Cidlis (Messias, IV.740-889). 5.1.5.Meta Moller – so ein ganz ander Mädchen als andre (N.D.Giseke). 5.2. ...die traurige Geschichte meines Herzens – (Klopstock)....

Kap.4. Zwischenstationen Fürsten und Nationen müssen Klopstock durch Pensionen in die bequemsten und vergnügtesten Umstände setzen, die sich für einen solchen Geist und für eine solche Arbeit schicken. (J.J.Spalding) … 1.3.Beruflliche Unterkunft und Versorgung in Preußen - Hoffnungen und Enttäuschungen. ....2.Jenseits heimatlicher Grenzen: - daß ich mein Glück mache... (Klopstock).... 3.In Zürich in die Welt gekommen. (Klopstock)...3.2.Züricher Oden 1750. 3.2.1.Von der Fahrt auf der Zürcher See: Unsere Schönen fanden sich in einer ganz neuen Welt. Solche Gedanken hatte ihnen noch keiner ihrer Verehrer eingeflößt; sie belohnten unsern göttlichen Dichter dafür mit Blicken voll Liebe. (J.C.Hirzel) ... 3.2.1.2.Der große Gedanke der Schöpfung:- Klopstock – Goethe – J.G.Sulzer – Shaftesbury ...3.2.1.4.Die Göttin Freude: - Hagedorn – Klopstock – Shaftesbury. ... 3.2.2. Ode an Herrn Bodmer... 3.3.1.Der Klopstock-Bodmer-Streit... daher steht sein Wandel mit der Messiade ziemlich im Widerspiel. (J.J.Bodmer). 3.3.2.Hartmann Rahn, sein Fabrikprojekt und Klopstock: ...Ein Poet und ein Fabrikant in einer Person! (J.J.Bodmer). 3.3.3.Politische Erfahrungen in der freyen Schweiz?...

Kap.5. Messias und Lebensunterhalt 1.Die Organisation der Literaturvermittlung als eine Angelegenheit einer "Kommunikation der Herzen". 2.Sozialliterarische Voraussetzungen: Das "unehrenhafte" Honorar? ... 5.Die Schwierigkeit, Deutsche "zum Glauben an den Messias zu bekehren".

Kap.6. Emigration ...Denn der Gedanke, daß Dännemark Deutschlands Dichter versorgen solle, ist mir unerträglich. (J.W.L.Gleim) ...1.3.Der Messias-Dichter – ein Pensionär der dänischen Krone ohne Amt und Titel... 2.Widmungsprobleme und "Huldigungspoesie" 2.2 Die Ode an den König (1750)... 2.2.3.Typographisches. 2.3.König Friedrich V. und Klopstock. 2.3.1.Die Wirklichkeit. 2.3.2.Wahrheit und Dichtung: ...daß ich über dieß alles die Wahrheit ganz auf meiner Seite habe. (Klopstock). 2.3.3.Ich hofft´es zu dir...(Ode 1773) ...

Anhang I. 27 Faksimilewiedergaben der Erstdrucke bzw. frühe Veröffentlichungen einiger Oden und der Titel- und Vorsatzblätter zur Messias-Ausgabe von 1751
II. Abschriftliche Textwiedergaben: Lazarus-Cidlis-Episode aus dem Messias IV.740-889, An Freund und Feind (Ode 1781), Klopstocks Brief an J.J.Bodmer vom 10.August 1748

Ein Index mit 50 Seiten, über 700 Stichörter, mehr als 5000 Bezugsstellen zum Buchtext kann als Word-Datei sowie als pdf-Datei abgerufen werden (mit rechter Maustaste anklicken und 'speichern unter' wählen).

Restliche Exemplare des Buches stehen zum Kauf zur Verfügung. Kontakt: klopstock2000@aol.com

 

2.b)

K L O P S T O C K
"Language of the heart" rediscovered
Liberation of the reader from emotional immaturity
Idea and reality of poetic existence around 1750

This study proceeds from the hypothesis that presenting Klopstock as the seraphic singer needs to be revised. This is an attempt to develop aspects of a complex picture of the young Klopstock.

The claims to absolutism of the poet and his work makes a holistic appraisal of his artisic and real existence necessary. This obtains in particular for the struggle of the penniless poet to find material support, to maintain his freedom and his authenticity as the beneficiary of a royal pension. It is shown on the basis of various texts how insistent and at the same time liberating Klopstock´s lyrical gift of language appeared to the people of the period and how a new view of the vocation of the poet and the nature of his public has developed.

Extract of the content: Concept of Der Messias (The Messiah) - Klopstock´s non-bourgeois existence - Odes to friendship, love and despair - The readership - Fanny - Frederick II of Prussia - The Zurich odes and freye (free) Switzerland - The ignominious royalties - Emigration - Frederick V of Denmark: Wahrheit und Dichtung (Truth and fiction).

"Anyone who wishes to conduct a serious examination of Klopstock in future will not be able to avoid consulting Pape´s study." (Jürgen Jacobs, Zeitschrift für deutsche Philologie)

This book is a revised and completed issue of the previous releases. A separate and extended index binder referring to the mentoined people and matters (50 pages, more than 700 entries with more than 5000 references) will be attached encluding a chronicle table. 

If You like to buy this book please send a e-mail to klopstock2000@aol.com

 

R e z e n s i o n e n :

a) Etudes Germaniques. Jg.54, Okt.-Dez.1999, Nr.4. S.635 f (J.Moes)

b) Zeitschrift für deutsche Philologie. 119.Bd. 2000, zweites Heft. S.293-295 (Jürgen Jacobs)
Helmut Pape, Klopstock. Idee und Wirklichkeit dichterischer Existenz um 1750. Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Berlin, Bern, New York, Paris 1998.
Diese Rezension ist ebenfalls als Word-Datei und als PDF-Datei verfügbar (mit rechter Maustaste anklicken und 'speichern unter' wählen)

c) Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL online). 2.10.2001 (Klaus Hurlebusch)

d) Germanistik. Bd.42, H.3/4. 2001, S.664 (Johannes Mahr)

 

3.)

Klopstocks Autorenhonorare und Selbstverlagsgewinne
Frankfurt am Main. 1969. VI S., 272 Sp.; auch in: Archiv für die Geschichte des Buchwesens. X. 1-2. Frankfurt am Main. 1969; eine neue, gekürzte Fassung in: Karl Corino (Hg.), Genie und Geld. Vom Auskommen deutscher Schriftsteller. Nördlingen 1987. S.72-86, auch Reinbek b.Hamburg. 1991 

Helmut Pape untersucht nach einer einleitenden Erörterung der literarsoziologischen Voraussetzungen die geschäftlichen Beziehungen Klopstocks zu seinen Verlegern. Dabei ergeben sich interessante Einblicke in die Praxis dieses bisher nur wenig bekannten Bereichs des literarischen Lebens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es zeigt sich, dass der »Messias« - Dichter den Verlegern im vollen Bewusstsein seiner künstlerischen Würde entgegentritt und in der Wahrung geschäftlicher Interessen entschieden realistischer verfährt, als es das Bild vom »heiligen Dichter« erwarten lässt, das Mit- und Nachwelt von ihm entworfen hatten. Klopstock gehört zu den Autoren des 18. Jahrhunderts, die für ihre Schriften die höchsten Honorarsätze gefordert und auch erhalten haben. Es ist hervorzuheben, dass es dem Verfasser gelungen ist, mehrere von der Forschung bisher übersehene Klopstock-Texte ausfindig zu machen, die die Tätigkeit des Dichters als Selbstverleger besonders deutlich in Erscheinung treten lassen (Verlagsprospekt)

 

4.)

Friedrich Gottlieb Klopstock und die Französische Revolution
Euphorion. 83.Bd. 2.Heft 1989. S.160-195 

Es ist bezeichnend für eine bestimmte Tendenz der Klopstock-Rezeption, dass dieses Thema bisher wenig Beachtung gefunden hat.
Das Bild vom "heiligen Messias-Dichter" stand in offenem Widerspruch zu dessen politischem Engagement, das in der deutschen Literaturgeschichte seinesgleichen sucht: 
Seit 1789 feierte Klopstock in Gedichten den Ausbruch der Französischen Revolution. Er begrüßte enthusiastisch seine Ernennung zum "französischen Bürger" durch die Pariser Nationalversammlung, und selbst angesichts des Umschwungs der Revolution zum Terror weigerte er sich energisch, sich von diesem Titel loszusagen, wobei er aber gleichzeitig die blutige Entartung der Revolution in neuen Gedichten leidenschaftlich verdammte. 
In mehreren Briefen an die führenden Persönlichkeiten in Paris hatte Klopstock zuvor versucht, auf die revolutionären Entwicklungen Einfluß zu nehmen. Gipfelpunkt dieser Bestrebungen ist ein bisher unbeachtet gebliebener Brief an den Bürgermeister Pétion aus dem Jahre 1792, in dem der Dichter den französischen Heerführern strategische Ratschläge zur Bekämpfung der deutschen Interventionstruppen erteilt, die in Paris die monarchische Staatsordnung wiederherstellen sollten. Bürgerfreiheit und republikanische Verfassung waren Klopstocks Ideale, die er eingeordnet sah in den großen kosmopolitischen Rahmen eines christlich orientierten Humanismus. Sein Irrtum bestand darin, dass er ursprünglich glaubte, die Französische Revolution hätte sich auf der Basis ihrer anfänglich evolutionären Ausrichtung zu einer Wegbereiterin dieser Ideen weiter entwickelt. 
Klopstocks "Revolutionsbegeisterung" ist aufs tiefste verwandt mit seinem visionär konzipierten "Messias" - Dichtertum. Daher nannten Zeitgenossen sie die "zweyte Messiade seiner Seele". 
Die Studie versucht, diese nur scheinbar divergierenden Zusammenhänge auf eine neue Weise verständlich zu machen.

 

5)

Die gesellschaftlich-wirtschaftliche Stellung Friedrich Gottlieb Klopstocks
Phil.Diss. Bonn 1961/62. 413 S., 1 Faltblatt 

Wenn im Hamburger Adreßbuch von 1794 Klopstock als >Legationsrath und Verfasser der Messiade< bezeichnet wird [...], so war das für seine Zeit gewiß eine unerhörte Neuheit: Der unabhängige Dichter ohne bürgerlichen Beruf hob sich vom nebenberuflichen Poeten ab, Klopstock fühlte sich als Repräsentant eines neuen Berufsstandes.
Pape ist den äußeren Voraussetzungen für solchen Anspruch, den wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, aus denen Klopstock stammte, nachgegangen. Seine Dissertation ist eine wesentliche Voraussetzung für eine neue Klopstock-Biographie. Die Überlegungen hinsichtlich der Berufswahl und die Bemühungen von Verehrern, für Klopstock eine Versorgung ausfindig zu machen, damit er sein Epos dichten könne, legen dem Verf. den Schluß nahe, dass dem Dichter schon früh der Messias >als ein Unterpfand zur Sicherung seiner Existenz erscheinen mußte< (S.38).
Einen wichtigen Beitrag zur Soziologie des freien Schriftstellers wie auch zur Geschichte des deutschen Buchhandels und zur Erforschung des literarischen Marktes sind die Ausführungen über Klopstocks Honorare und Selbstverlagsgewinne. Ihnen gegenüber erbrachten die dänische und die badische Pension rund 80 % der Gesamteinnahmen.
Auch für den Historiker lesenswert sind die Abschnitte über Klopstocks Stellung in der Gesellschaft und am Hofe. Pape sagt zusammenfassend, dass die besondere Lebensleistung Klopstocks in der Überwindung der Spannung zwischen der geistigen Höhe seines Dichterums (Idealität) und dem Kampf um die Sicherung seiner äußeren Lebensgrundlage (Faktizität) bestanden habe.
Die Ausführungen sind durch viele, zum Teil entlegene Zeugnisse begründet: die Anmerkungen und das Literaturverzeichnis umfassen 89 Seiten. Als Anhang werden 20 bisher unveröffentlichte Briefe von Klopstock und seiner Frau Johanna Elisabeth von Winthem mitgeteilt. Eine Übersicht über die Geldsorten und Preise im 18.Jahrhundert ermöglicht Vergleiche mit Zeitgenossen und den Schluß auf die Verhältnisse der Gegenwart. Zwei Tabellen gegen detaillierten Aufschluß über Klopstocks Einnahmen und Ausgaben.

Rez.: Germanistik. 5.Jg. Heft 2. April 1964, S.288 f (L.Rotsch)